Internationale Rettungsübung und
ECRA-Meeting 2017 in Bulgarien

28. September - 1. Oktober 2017 Übung,  5. - 8. Oktober 2017 Meeting

Text? Das diesjährige ECRA-Meeting fand vom 5.-8.Oktober 2017 in Sofia statt. Bereits am Wochenende davor wurde zu einer 4-tägigen internationalen Höhlenrettungsübung im Nordosten Bulgariens geladen. Etwa 40 Teilnehmer aus Großbritannien, Österreich, Slowenien und vor allem Bulgarien fanden sich im vorgeschobenen Zeltlager in Sichtweite zur serbischen Grenze ein. Freitag wurde in der "Goliama Balabanova dupka", einer gut 3km langen Höhle geübt und am Samstag zusätzlich in der "Granicharskata", einer 70m tiefen Schachthöhle. Engstellen, bodenlose Canyons und verwinkelte, teils wasserführende Schachtstrecken verlangten den Probanden einiges an Geschick und Durchhaltevermögen ab. Pete Allwrigth (BCRC/GBR) baute mit Nicola Version 3 die Kommunikationsstrecken auf. Leider war durch ein fehlerhaftes SW-Update die Sprachqualität deutlich reduziert (mittlerweile teilweise behoben). 2 Köche sorgten unter Mithilfe aller für das leibliche Wohl der Mannschaft. Ausklang des Übungswochenendes war eine Freilicht-Diapräsentation bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt. Ein isländischer Profifotograf hatte uns während der Übungen begleitet. Er arbeitet an einem Projekt, das die Arbeit der verschiedensten Rettungsorganisationen Europas einem breiten Publikum vermitteln soll.

Text? An den Tagen zwischen Übung und ECRA-Meeting wurde erstmalig ein bemerkenswertes Exkursionsprogramm angeboten. Ein Besuch der "Duhla Cave", der mit 18km längsten Höhle Bulgariens, führte durch eine schier unendliche Abfolge von verwinkelten Engstellen, durch große Säle bis unter das Flussniveau. Bemerkenswert war die Dichte an zerbrechlichen Sinter-Kleinstformen. Auch riesige Tropfsteinformationen überraschten uns immer wieder. Rettungstechnisch darf man hier wegen der Gangdimensionen allerdings nicht ins Grübeln geraten…

Der Mittwoch sollte uns auf den Musala Peak im Rila-Gebirge führen, den mit 2925m höchsten Gipfel der Balkanhalbinsel. Obwohl unsere Veranstaltungsleitung am Vortag noch bei der Talstation war, blieb verborgen, dass der Seilbahn-Betrieb - nicht angekündigt - von einem Tag auf den anderen für Wartungsarbeiten einstellt werden sollte. So wurde daraus kurzerhand eine Nebel-Wanderung bis zu einer Hütte am halben Weg zum Gipfel.

Am Donnerstag besuchten wir die historischen Sehenswürdigkeiten Sofias. Eine Höhlenforscher-Kollegin und professionelle Reiseleiterin hatte die Tour abwechslungsreich und informativ gestaltet.

Freitag, den 5.Oktober 2017 wurde um 9:00 Uhr das ECRA-Meeting von Präsident Dinko NOVOSEL / Kroatien offiziell eröffnet und auch die anwesenden Vertreter anderer Organisationen begrüßt. Die Gäste betonten die Bedeutung der Höhlenrettung für die Kameraden am bzw. im Berg und auch für die Öffentlichkeit und lobten die vorzügliche Zusammenarbeit im Einsatz.

Anschließend gab es ein offizielles Treffen der anwesenden Organisationen. Neben dem Vorstand und den Delegierten der ECRA-Mitglieder waren der Höhlenforscherverband, die Höhlenrettung, die Bergrettung, der Verband der Freiwilligenorganisationen und der Brand- und Zivilschutz durch deren Präsidenten auf nationaler Ebene vertreten. Ein Repräsentant des Russisch-Serbischen Humanitären Zentrums mit Sitz in Niš / Serbien war sogar Gast der gesamten Meetings. Nach einer Vorstellungsrunde der einzelnen Organisationen wurden Gemeinsamkeiten, Berührungspunkte und die Bedeutung des Erfahrungsaustausches herausgearbeitet.

Parallel wurde eine Übungseinheit angeboten, in der die übrigen Teilnehmer ihre Methoden der Kameradenrettung demonstrierten und diskutierten. Auch einfache Materialtests wurden hier durchgeführt. Wegen Regenwetters war man in eine Halle ausgewichen.

Am Samstag moderierte der Vizepräsident Alberto UBERTINO / Italien einen Workshop zum Einsatzkonzept des CNSAS.

Präsident Dinko NOVOSEL führte durch die anschließende Generalversammlung. Nach dem Tätigkeitsbericht wurden 4 neue Mitglieder aus der Schweiz, Polen, Portugal und der Türkei willkommen geheißen und die Erhöhung des Mitgliedsbeitrages ab 2018 beschlossen. Hr. NOVOSEL präsentierte noch eine grobe Vorschau für 2018. Die türkischen Kollegen haben sich für die Organisation des Meetings 2018 angeboten (weitere Optionen: Deutschland, Italien).

Am Abend wurde die Tiroler Suchmethode für labyrinthische Systeme vorgestellt. Ein neues italienisches Video zum Riesending-Einsatz wurde gezeigt. Gyula Hegedus / Ungarn hat den offiziellen Teil des Meetings mit seiner Präsentation zur Geschichte der UIS, die bereits zur Speleo2017 in Australien gezeigt worden ist, abgerundet. Danach ging der Abend über in eine schier endlose ‚party! party!! party!!!'.

Ein herzliches Dankeschön an die umtriebigen KollegInnen der bulgarischen Höhlenrettung für die wirklich gelungene Veranstaltung.

Bericht: Kurt Dennstedt / NÖ

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