(Fast) Einsatz der Höhlenrettung Niederösterreich im Schönberghöhlensystem am 12.4.2008


Es ist Samstag morgen, die meisten HöhlenretterInnen des Landesverbandes Niederösterreich sind schon auf den Beinen und packen ihre Ausrüstung für die heutige Frühjahrsübung in der Hermannshöhle bei Kirchberg am Wechsel. Der Übungsbeginn ist für 12h angesetzt, also ist noch keine Eile angesagt – noch nicht zumindest.

Um halb 8 h erreicht den Landeseinsatzleiter Erich Hofmann von einem unserer Zentralvermittler (Glitzner Andreas ÖHR-STMK) folgender Notruf: Ein Höhlenforscher hat sich im Schönbergsystem, etwa 4 Stunden vom Eingang entfernt, eine Verletzung an der Hand zugezogen. Die Höhlenrettung von OÖ, NÖ und der STMK wurde verständigt.

Die Benachrichtigung aller RetterInnen aus Wien und Niederösterreich über das Inotif (sms) System und die Kommunikation untereinander verlaufen reibungslos und da ohnehin schon viele für die Übung abfahrbereit waren, befinden wir uns kurze Zeit später bereits am Weg Richtung Oberösterreich.

Obwohl die RetterInnen aus Niederösterreich sicher nicht die Ersten vor Ort sein werden, rücken wir in voller Anzahl und mit unserem gesamten Einsatzstellenmaterial aus, denn eine Rettungsaktion aus einem derart weitläufigen Höhlensystem kann ein sehr Zeit-, Material- und natürlich personal intensiver Einsatz werden. Wir stellen uns psychisch auf einen längeren Einsatz ein.

Als wir beim Einsatzort ankommen, werden die ersten Retter aus Oberösterreich bereits mit Hubschraubern des Innenministeriums trotz suboptimalem Wetterbedingungen bis zum Eingang der Höhle geflogen. Wir erfahren, dass es sich bei dem Verletzten um einen 27-jährigen Wiener handelt, der unglücklich gestürzt ist und sich dabei einen Handgelenksbruch zugezogen hat. Unerwarteter Weise kann der Verletzte mit seinen Begleitern ohne Hilfe der Höhlenrettung bis unter den Einstiegsschacht der Höhle gehen. Unsere oberösterreichischen und steirischen Kollegen bringen den Verletzten schließlich mittels Seilwinde durch den engen Schacht. Der Verletzte wird mit dem Hubschrauber umgehend ins Krankenhaus Bad Ischl geflogen.

Zum direkten Einsatz kommen die 300 km angereisten Retter und Retterinnen der Höhlenrettung Niederösterreich heute also nicht. Es hätte aber auch weniger glimpflich verlaufen können. Dass wir für diesen Ernstfall bereit gewesen wären, haben wir heute eindeutig bewiesen:

Die Höhlenrettung Niederösterreich war mit 22 RetterInnen die personenmäßig am stärksten vertretene Landesorganisation bei diesem Einsatz.

Während sich der Großteil nach der Abschlussbesprechung wieder auf die Heimreise begibt, beschließen 4 RetterInnen der EST Wien, diesen Tag nicht ohne Höhlentour verstreichen zu lassen und statten dem Kühlloch im Rettenbachgraben, einer aktiven Wasserhöhle, noch einen Besuch ab.

Bericht und Fotos: Christian Berghold

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