Modul 10 - Einsatzleiter-Schulung
16.-17. November 2013

Es ist 6:30 Uhr und der Wecker läutet. Schlaftrunken wandert der Blick auf das Nachtkästchen, fragend, was denn eigentlich der Grund dafür ist, dass man an einem Samstag so früh aus den süßesten Träumen gerissen wird. Dort leuchtet das Handydisplay viel zu hell und verrät mir, dass ich mich ja irgendwann für eine Einsatzleiterschulung angemeldet habe. Kurz frage ich mich, was mich dazu bewogen hat mich dazu anzumelden, wo ich doch heute auch so schön ausschlafen hätte können, doch der Gedanke daran, dass es gerade 24 anderen genau gleich ergeht, tröstet ein wenig.

Dass sich auch die Übungsleiter frühmorgens offenbar das Selbe gefragt haben, stellt sich heraus, als sie genau diese Frage ganz zu Beginn in die Runde werfen. Viele von uns sind offenbar gekommen, weil sie über die Landesgrenzen hinaus neue Kontakte knüpfen und alte pflegen wollen, andere, weil sie sich auf den aktuellen Stand der Dinge bringen wollen, die meisten aber sind natürlich an der Materie der Einsatzleitung interessiert.

Und dann geht es auch schon mit dem ersten Vortrag los: Einsatzleitung allgemein.

Erich gibt uns einen Einblick, was so alles auf uns zukommen könnte, und wie man als Einsatzleiter in so einem Fall professionell handelt. Jeder Bereich der Höhlenrettung ist dabei nützlich und es ist wichtig, sie alle zu kennen. Funker, Schachtretter, Bergeleiter und vieles mehr kommt zur Sprache, die alle im Ernstfall von uns, den auszubildenden Einsatzleitern, koordiniert werden müssen. Je mehr Worte fallen, desto verwirrender erscheint es am Anfang für uns, doch Erich ist stark bemüht, all unsere Zweifel auszubügeln und uns klar zu machen, wo der Sinn dahinter steckt.

Nach einer kurzen Pause geht es auch schon weiter. Ein weiterer kurzer Vortrag über Einsatztaktik folgt und dann dürfen wir uns in Kleingruppen selbst überlegen, wie wir uns auf einen Einsatz am besten vorbereiten würden. Diese Gedanken werden dann vom Schulungsteam professionell geordnet und ergänzt. Ein großer Teil dieser Vorbereitung ist die ständige Aktualisierung der Einsatzleitermappe, die uns ein effizientes Hilfsmittel bei der Bewältigung der Aufgaben ist. Zu einer guten Stabsarbeit gehört aber nicht nur das Wissen um die Höhlenrettung, sondern auch die Kenntnis der anderen Organisationen und wenn möglich deren Mitarbeiter.

Nach dem Abendessen wird dann noch gemütlich beisammen gesessen und zu späterer Stunde im hauseigenen Weinkeller das eine oder andere Tröpfchen verkostet. Dabei findet sich Zeit, mit den Leuten der anderen Einsatzstellen über allerlei zu plaudern und zu fragen, wie denn das so in anderen Bundesländern abläuft, wenn ein Höhleneinsatz hereinkommt. Dabei stellt sich heraus, dass es diesbezüglich doch eine relativ große Spannweite an Standards gibt, die im Ernstfall dann überbrückt werden muss. Doch genau deswegen sind wir auch da. Denn wenn man sich untereinander persönlich kennt, dann läuft im Ernstfall vieles besser.

Auch am folgenden Morgen geht es früh weiter, denn die Kommunikation mit der Presse soll geübt werden. Katharina Becker von der Firma Katmakom möchte uns dazu nahe bringen, dass Journalisten Freund und Feind des Einsatzleiters sein können, je nachdem wie professionell die relevanten Fakten weitergeleitet werden. Auch für alle anderen Höhlenretter erscheint dieser Punkt wichtig, denn jeder von uns weiß zu gut, dass bei Übungen manches gesagt wird, was man in gedruckter Form so nicht in der Zeitung lesen möchte.

Nach dem Mittagessen folgt dann auch schon die geplante Realität. Eine Teilnehmerin wird zur Einsatzleiterin erkoren, nicht wissend, dass sie einen Einsatz in einem Gebiet leiten soll, welches sie selbst gar nicht kennt. Dies stellt eine große Herausforderung dar, die sie aber mit der Hilfe des Schulungsteams und den anderen Höhlenrettungsteams gut lßst. Dabei wird uns allen klar, wie schnell so ein Einsatz komplex werden kann und wie wichtig es ist, Teilgebiete der Arbeit abzugeben. 'Agieren, nicht reagieren' ist dabei ein wertvoller Tipp um nicht im Chaos unter zu gehen.

Alles in Allem war dieses Wochenende eine gute Gelegenheit, nicht nur Einsatztaktik und Handlungsspielräume, sondern auch andere Leute aus ganz Österreich kennen zu lernen.

Bericht: Jill Bigler & Christian Knobloch

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