Erste Hilfe in Höhlen
Was versteht man unter Kameradenhilfe?
Kameradenhilfe umfasst alle sofortigen Maßnahmen (Erste Hilfe, technischer Beistand, psychischer Zuspruch), die Gruppenmitglieder leisten, sobald eine Person bedarf, hat – etwa nach Unfällen oder bei Erschöpfung. Sie ist oft die einzige Hilfe, die unmittelbar verfügbar ist.

Rettung aus dem Seil
Die Rettung am Seil gilt als die „Königsdisziplin“. Besonders in Schächten ist schnelles Handeln lebensnotwendig, um ein Hängetrauma (orthostatischer Schock) zu verhindern.
- Gefahr: Ein bewusstloses oder bewegungsunfähiges Hängen im Gurt kann bereits nach 10 bis 20 Minuten zu lebensbedrohlichen Kreislaufproblemen führen.
- Maßnahmen: Unverzügliche seiltechnische Hilfestellung, z. B. durch Unterstützung erschöpfter Personen oder die Rettung mittels Flaschenzuges.
- Voraussetzung: Solche Rettungsmaßnahmen erfordern regelmäßige Übung, um im Bedarfsfall effizient eingesetzt werden zu können.
Medizinische Erstversorgung & Wärmeerhalt
In Höhlen stellt die Hypothermie (Unterkühlung) oft ein größeres Risiko dar als die eigentliche Verletzung.
1.
Wärmeerhalt:
Sofortiges Errichten eines „Biwaks“ mittels Rettungsdecke, Biwaksack und Kerzen zur Lufterwärmung.
Kein Bodenkontakt für den Patienten (Isoliermatte oder Seile unterlegen).
2.
Erste Hilfe:
- Stillen von Blutungen.
- Schienung von Brüchen mit dem vorhandenen Material.
Alarmierung / Meldung
Da es in Höhlen keinen Funkempfang gibt, ist die Kommunikation Teil der Hilfe:
- Ein Teil der Gruppe bleibt beim Verletzten (Betreuung/Wärme).
- Wenn möglich sollten zwei fähige Personen aussteigen, um den Notruf abzusetzen.
- Wichtig: Der Melder muss präzise Daten liefern (Höhlenname, Katasternummer, Ort in der Höhle, Betroffene Personen, Art der Verletzung, benötigtes Material, Besonderheiten).

Psychologische Betreuung
In der Dunkelheit und Enge einer Höhle ist die psychische Belastung für einen Verletzten extrem hoch. Kameradenhilfe bedeutet hier:
Den Patienten gegebenenfalls wachhalten, beruhigen und beim Patienten bleiben.
Sicherstellen, dass Lichtquellen (Lampen) sparsam eingesetzt werden, damit die Gruppe nicht im Dunkeln sitzt.
Grenzen der Kameradenhilfe: Wann ist ein Notruf nötig?
Bevor versucht wird, die Höhle mit einem Verletzten eigenständig zu verlassen, müssen folgende Fragen kritisch geprüft werden:
1.
Machbarkeit:
Erlauben die Höhlenbeschaffenheit und der Zustand des Kameraden einen Ausstieg ohne Fremdhilfe?
2.
Technik:
Können befahrungstechnisch alle Passagen (Schächte, Engstellen) sicher bewältigt werden?
3.
Stabilität:
Ist der Verletzungsgrad gering und eine Zustandsverschlechterung auszuschließen?
Wichtig: Sollte eine dieser Fragen mit NEIN beantwortet werden, ist sofort die Alarmierung der Höhlenrettung über den Alpin-Notruf 140 einzuleiten!
